Freundeskreis Peru Amazonico e.V
., Am Ziegelacker 18, 74199 UnterheinrietTel. 07130/8618, Fax 9381, e-mail: eugen.bruder@t-online.de, Internet: www.peru-amazonico.de
Spendenkonto: Nr. 20 763 000 bei der Volksbank Beilstein, BLZ 620 622 15
Mit FUSEVI in Pucallpa startete Ende letzten Jahres ein neues Projekt: die Jungbauernschule! Durch zielgerichtete Ausbildung junger Menschen, insbesonders in nachhaltiger Landwirtschaft, soll die um sich greifende Landflucht verhindert werden. Mit jungen Leuten aus dem Dorf Antonio Raymondi als Kerngruppe wurde das Projekt begonnen. In 2 weiteren Dörfern nördlich von Pucallpa, und zwar in Panaillo und Zapotillo (beide am Rio Ucayali) stieß Raul Tello auf Gruppen von stark interessierten Jugendlichen, so dass das Projekt auf diese Dörfer ausgedehnt wurde. Das ursprünglich vorgesehene Dorf Nuevo Belen wurde fallen gelassen, da die jungen Leute dort durch frühere Projekte etwas "verwöhnt" und somit nicht sonderlich interessiert waren. Die Finanzierung unseres Projektes stammt zu 75% von der Landesstiftung Baden-Württemberg.
Als Erstes wurden die jungen Leute in Milchviehhaltung geschult und erhielten dazu 10 junge Kühe (3, bzw. 4 je Dorf). Im Rahmen eines Rotativfonds werden diese dann später die Kälber an weitere junge Bauern weitergegeben, was sich auch schon früher bewährt hat. In Antonio Raimondi, das durch schlechtere Böden benachteiligt ist, weil es nicht in der Nähe eines Flusses liegt, wurden 3,5 ha Agroforst-Kulturen gemischt mit Bohnen angelegt. In den anderen beiden Dörfern am Fluss wurden jeweils 5 ha Camu Camu angepflanzt. Es ist ein Strauch mit stark Vitamin-C-haltiger Frucht und guten Absatzchancen, der auch Überschwemmungen übersteht.
Kaffeeverarbeitung in Felipe Pinglo
Dieses Jahr hielten wir uns hier etwas zurück, der uns eingereichte Antrag auf Einrichtung einer gemeinschaftlichen Kaffee-Aufbereitungsanlage (Maschine zum Entfernen des Fruchtfleischs, Fermentierungsbecken, Trocknungsanlage) wurde aus Kapazitätsgründen von uns zurückgestellt. Er soll nächstes Jahr (2007) zu einem integralen Projekt zusammen mit einem kleineren Wasserkraftwerk und Solar-Tunneltrockner neu formuliert und beim BMZ eingereicht werden.
Wasserkraftwerk in Montevideo bei Tingo Maria
Die Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung (40 KW) wurde im Herbst 2006 vom BMZ bewilligt Die erste größere Rate wurde Anfang Dezember nach Peru überwiesen. Von unserem Eigenanteil konnten wir dank der kontinuierlichen Spenden bereits im Oktober 5.000 € überweisen. Damit wurden die Detailpläne für die Wasserfassung und -zuleitung erstellt. Durch intensive Beratung seitens Anton Nielsen und Franz-Georg Holbe konnten wir unserem Partner in Peru, der Gruppe AAIDECOR, wertvolle Hilfestellung geben bei der Einholung der 3 Angebote für das eigentliche Kraftwerk incl. Stromverteilung. Man entschied sich für die Firma Allincon in Lima, die auch die wichtigsten Komponenten selbst baut und deren Chef, Juan Vargas Guevara, bereit war, auch die Erstellung der Gewerke bzgl. der Oberleitung zu übernehmen. Als Referenz kann er zudem das Wasserkraftwerk im benachbarten San Miguel vorweisen, dessen Bau er verantwortlich geleitet hat. Diese Fa. war zudem die günstigste und als einzige bereit, 2 Jahre Garantie zu geben.
Mit viel Arbeitseinsatz der Dorfbewohner wurde nun auch der Fahrweg von San Miguel weitergebaut und verkürzt damit den Fußweg nach Montevideo um etwa die Hälfte, so dass auch der wöchentliche Käsetransport mit Maultieren erheblich erleichtert wurde. Es gab zwar einige Probleme, weil der dieses Jahr sehr früh und stark einsetzende Regen Teile der Straße immer wieder wegriss, aber durch beständigen Einsatz der Dorfbewohner konnte der Weg immer wieder hergerichtet und das Wasser abgeleitet werden. Die gemeinschaftliche Käseproduktion ist weiter auf 770 kg wöchentlich gestiegen und wird inzwischen sogar bis nach Lima verkauft.
Selva Central
Aufgrund der Kontakte bei der letztjährigen Reise und durch den Projektbesuch unseres Mitglieds Heiner Stienhans im März diesen Jahres konnten wir über die Organisation Ecoselva in La Merced dem Volk der Yaneshas die Einrichtung einer Gemeinschaftsküche finanzieren. Des weiteren unterstützten wir die Betriebsbesichtigung von führenden Leuten der Ashéninkas bei Bauern in Villa Rica, damit sie von deren Erfahrungen im nachhaltigen Kaffeeanbau lernen und es auf ihre Region übertragen können. Als Folge dieser enger gewordenen Kontakte wird Orlando Diaz von Ecoselva "unsere" Kaffeebauern in Felipe Pinglo besuchen und beraten.
Aucayacu
Die Saftproduktion (Säfte aus Papaya, Mango, Sternfrucht, Cocona und anderen tropischen Früchten) in der Sekundarschule "Aucayacu" konnte durch unseren finanziellen Beitrag vom Ende letzten Jahres verbessert werden. Im März wurde ein Früchtezerkleinerungsgerät und ein Sieb angeschafft.
Die Arbeit der örtlichen Menschenrechtsorganisation konnten wir mit einer kleinen Spende weiter unterstützen.
Bekämpfung der Leishmaniose (weiße Lepra)
Mit Hilfe von Peru Reisenden konnten wir 2.130 Ampullen Glucantime im Wert von rund 1.600 € nach Peru schicken. Das meiste ging nach Tingo Maria, wo es auch immer mehr Fälle von Leishmaniose gibt. Auf Initiative von Zulma Rivera wurde ein Projekt gestartet, das neben der medikamentösen Behandlung auch das soziale Umfeld und die "Nebenkosten" mit erfasst (Fahrtkosten, Unterbringung und Verpflegung während der wochenlangen ambulanten Behandlung im Krankenhaus). Sie hat sich intensiv um die Kranken gekümmert, sie zum Krankenhaus begleitet, ein Diagnosemittel aus Lima besorgt (das Krankenhaus hatte kein Budget dafür) usw.
In Cusco hat Sonko Borstelmann während seiner Arbeit am Krankenhaus die Kontakte wieder intensiviert und die Krankenschwester Alejandrina Victoria Cavides genannt, die sich zuverlässig um die kostenlose Ausgabe von Glucantime an bedürftige Patienten kümmert.
Shipibos in Tingo Maria
Zulma Rivera hatte uns im Oktober über die Lage von 19 Shipibofamilien informiert, die seit Jahren am Ufer des Rio Huallaga in selbstgezimmerten "Häusern" aus Brettern, Wellblech und Plastikplanen wohnen. Das Trinkwasser nehmen sie aus dem nahen Fluss. Aus diesem Grund stand für sie ein Brunnen ganz oben auf der Prioritätenliste. Hier konnten wir auch mit Hilfe einer zweckbestimmte Spende von unserem Mitglied Ingeborg Winker erste Schritte zur Elendsreduzierung einleiten. Der Brunnenbau wurde an einer Stelle begonnen, die lt. Auskunft der Leute vor Ort auch sicher vor Überschwemmungen ist.
Leider kam es nach Weihnachten aufgrund sehr starker tagelanger Regenfälle zu einer sehr großen Überschwemmung in Tingo Maria und im ganzen Huallagatal, die die ganze Shipibosiedlung und auch viele Häuser anderer Uferbewohner fortriss. Sie konnten sich gerade noch selber retten, aber ihr wenig Hab und gut war weg. Sie wurden daher notdürftig auf einem Sportplatz und später in einer Schule untergebracht. Zum Glück war das überwiesene Geld für den Brunnenbau erst zum Teil ausgegeben, so dass Zulma davon Lebensmittel und andere dringende Dinge für die Shipibos kaufen konnte. Zusammen mit der Stadtverwaltung sucht man jetzt nach einem sicheren Gelände zur Wiederansiedlung.
Aktivitäten in Deutschland
Anfang Mai hatten wir zusammen mit dem Eine-Welt-Laden zu einem Peru-Abend mit Manuelcha Prado in Untergruppenbach eingeladen. Fast 60 Gäste, auch aus Heilbronn, Beilstein, Brackenheim, ja sogar Stuttgart waren gekommen. Zu Beginn konnte man sich an einem dank vieler fleißiger Frauen-Hände reich gedeckten Buffet (Quinoa-Küchle, mit Quinoa gefüllte Paprikaschoten, einer Lachsspeise, Käsegebäck, Brotsalat und diversen Kuchen) stärken. Es folgten Informationen aus den Projekten im Urwaldgebiet Perus. Höhepunkt des Abends waren dann die virtuosen Gitarrenstücke und Lieder des in Peru und z.T. auch in Deutschland sehr bekannten Künstlers.
Das Perutreffen mit Mitgliederversammlung war dieses Mal auf dem Naturfreundehaus Steinknickle in der Nähe von Heilbronn. Unser Mitglied Gerd Schuhmann hatte mit seiner Brigitte und einem weiteren Ehepaar alles gut vorbereitet und versorgte uns bestens. Über 50 Teilnehmer waren von überall her gekommen, auch aus Hamburg und Berlin. Auch dieses Mal waren viele junge Leute dabei, die für ein paar Monate oder bis zu 1 Jahr in einem sozialen Projekt gearbeitet hatten, oder kurz vor ihrer Ausreise nach Peru waren. Daniel Klein vom befreundeten Verein Qosko Maki gab allen, die für eine begrenzte Zeit in Peru arbeiten wollen, wertvolle Informationen. Am Freitagabend hatten wir Besuch von 2 peruanischen Bauern aus Puerto Maldonado (im südlichen Urwaldgebiet) zusammen mit Arnold Willibald, dem Vorsitzenden des ihr Projekt unterstützenden Vereins aus Ludwigshafen. Sie berichteten anschaulich von ihren Erfahrungen beim Ökoanbau und es kam zu einem fruchtbaren Austausch. Am Samstag zelebrierte uns dann Heiner Stienhans eine Espresso-Degustation mit verschiedenen Kaffees aus Peru, vor allem aus Villa Rica, wo der beste Kaffee Perus wächst.
Am Nachmittag wanderten wir zur nahe gelegenen Burg Maienfels und nach dem Grillabend saßen wir bei Liedern auf spanisch und deutsch (vor allem Dank Maria Nielsen, die zum Glück ihre Gitarre dabei hatte) noch lange am Lagerfeuer.