Jahresbericht 2005 Freundeskreis Peru amazonico e.V
Ökoanbau im Regenwald
Bei seinem Besuch Mitte Mai in 2 Dörfern konnte Eugen Bruder feststellen, dass das Projekt mit dem Partnerverein FUSEVI aus dem Jahr 2000 bis heute fortlebt und positive Nachwirkungen hat: In Antonio Raimondi konnte er an einer Sitzung des Vereins der Ökobauern teilnehmen, in der weibliche Jungrinder im Rahmen des Rotativfonds an Bauern und Bäuerinnen übergeben wurden. Ein Zeichen, dass der Rotativfonds hier funktioniert. In Santa Elvita funktioniert die Zuckerrohrquetsche weiterhin einwandfrei. Ein Bauer, der damals auch eine Kuh bekommen hatte, lud zu selbstgemachtem Käse ein.
Mit FUSEVI in Pucallpa startete Ende des Jahres ein neues Projekt: die Jungbauernschule! Durch zielgerichtete Ausbildung junger Menschen, insbesonders in nachhaltiger Landwirtschaft, soll die um sich greifende Landflucht verhindert werden. Mit jungen Leuten aus dem Dorf Antonio Raymondi als Kerngruppe wurde in einer Umfrage ermittelt, welche Vorstellungen und Erwartungen sie an das Projekt haben, um konkrete Projektziele zu erstellen. Zur Finanzierung hatten wir über die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit in Stuttgart einen Antrag bei der Landesstiftung Baden-Württemberg gestellt, der im Sommer bewilligt worden war. Das Projekt ist auf 1,5 Jahre angelegt und soll nach dem Start in A. Raymondi auch auf weitere Dörfer ausgedehnt werden.
Kaffeeverarbeitung in Felipe Pinglo
Dem Dorf Felipe Pinglo bei Tingo Maria, in dem vor allem Kaffee angebaut wird, galt dieses Jahr unsere Hauptaufmerksamkeit. 20 Teilnehmer einer Reisegruppe (etwa die Hälfte ehemalige Entwicklungshelfer) wanderten Ende Mai vorbei an Wasserfällen und durch herrlichen Bergurwald mit Lianen, Schmetterlingen usw. hoch in dieses Kaffedorf, wo sie herzlich empfangen wurden. Die Bauern zeigten uns, wie sie mit einfachen Mitteln ihre Kaffeebohnen in 2 großen Pfannen über dem Feuer rösten und von Hand mahlen und abpacken. Besonders das Mahlen von Hand ist eine mühsame Arbeit und man überlegt, ob man hier nicht mittelfristig mit einer Maschine arbeiten könnte. Da es nah beim Dorf genügend Wasser mit Gefälle gibt denkt man an eine kleine Wasserkraftanlage zur Stromgewinnung. Das Dorf hat ein kleines Stromaggregat um abends etwas Licht zu haben, prompt ging der Motor während des abendlichen Kaffeeröstens kaputt... Übernachtet wurde im 1. Stock der "Kaffeerösterei" auf hartem Holzboden, es gab nicht genügend Decken, obwohl die Bauern alles an Decken, Schaffellen etc. ranschleppten, was sie besaßen. Am anderen Morgen zeigten sie uns ihre Pflanzungen. Der Kaffee wird nicht als Monokultur angebaut: Die jungen Kaffeepflanzen stehen vermischt mit Bohnen, Paprika, Maniok und anderen Nahrungspflanzen, bei größeren Kaffeepflanzen sorgen Schattenbäume für das richtige Mikroklima. Der Kaffee wird ohne chemische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel angebaut. Sie zeigten uns auch die Trockner mit Plastikfolien. Einige Teilnehmer konnten hier noch wertvolle Tipps zur technischen Verbesserung dieser Trockner geben. Zum Abschied gab es eine tolle Pachamanca ("Essen aus der Erde").
Käseherstellung in Montevideo bei Tingo Maria
Aus Zeitgründen (einige mussten schon wieder weiter) und auch weil der Aufstieg etwas länger und beschwerlicher ist waren es nur noch 10 Teilnehmer für den Besuch in Montevideo. Auch dort wurden wir für die Mühen reichlich belohnt, zuerst mit einem tollen Programm (Reden, diverse Theaterstücke, Lieder usw.) und gutem Essen, u.a. natürlich dem Käse und Joghurt aus der Dorfkäserei. Wir übernachteten in dem neuen Käsereigebäude und am nächsten Morgen zeigten uns die Bauern ihre Kühe, Weiden (das von uns besorgte Solar-Weidezaungerät funktioniert einwandfrei), das von der KAB Donau-Iller finanzierte Gäste- und Dorfgemeinschaftshaus (war gerade im Rohbau fertig) und die Stelle, wo bald eine Wasserkraftanlage Strom erzeugen soll. Hierzu haben wir am Jahresende einen Finanzierungsantrag beim BMZ gestellt. Die ersten Groß-Spenden für das Wasserkraftwerk sind bereits eingegangen, so. z.B. über unser Mitglied Franz Georg Holbe vom Windpark Ülvesbüll. Montevideo mit seiner gut funktionierenden Dorfkäserei, in der alle zusammenarbeiten, hat durch seine positive Entwicklung ein hohes Ansehen in der Region erworben und gilt als Vorbild für umliegende Dörfer. Im Oktober fand dort auch das regionale Treffen der Viehzüchter aus dem ganzen Departement Huanuco statt.
Aufgrund einer Idee unseres Reise-Mitorganisators Heiner Stienhans boten wir einigen Bauern aus diesen beiden Dörfern an, uns bei der anschließenden Exkursion in die Gebiete La Merced, Oxapampa und Villarica zu begleiten. Der Gedanke dabei war, dass sie in diesen Gebieten, die in den Bereichen Milchviehhaltung und Käseherstellung sowie Kaffeeanbau schon weiter entwickelt sind, einiges dazulernen könnten, und zwar nach dem Motto: von Bauer zu Bauer. Vermutlich aufgrund der Einflüsse aus dem Siedlungsgebiet Pozuzo, das vor knapp 150 Jahren von Einwanderern aus Tirol und von der Mosel gegründet wurde, sind die Bauern hier auf einem hören Niveau. Es war für uns auch ein Erlebnis, auf Familiennamen zu stoßen wie Frey, Schuler usw. oder eine Molkerei mit Nahmen "Mosel". In dem Kaffeegebiet von Villarica wächst der beste Kaffee Perus, wir trafen dort auch einen berühmten Kaffeebauern, der bei einem weltweiten Wettbewerb vor kurzem in Frankreich eine Goldmedaille gewann. Die Reise ist gelungen: diese Form der Wissensvermittlung wurde von den Bauern sehr positiv aufgenommen und hat inzwischen auch schon Früchte in der technologischen Verbesserung des Kaffeeanbaus in Felipe Pinglo gezeigt. Ferner wurden hierüber die Regionen von Tingo Maria und Oxapampa auf der Ebene der Bauern vernetzt. Wir haben mit verschiedenen Stellen einen Austausch und eine engere Zusammenarbeit vereinbart.
Ökotourismus
Unser Experte Heiner, der auch schon die Mountainbike-Tour von den Anden (Cajamarca) zum Amazonas (Tarapoto) erdacht und bei der ersten Durchführung mit dem Reisebüro Aventoura auch mitgemacht hatte, hatte jetzt die Idee, den Wunsch der beiden Dörfer bei Tingo Maria nach einem sanften Tourismus ebenfalls über dieses spezielle Reisebüro anzubieten. Und seit Ende des Jahres steht es jetzt als Baustein einer Perureise im Programm von Aventoura: "Begegnungen und Trekking im tropischen Tingo Maria" (www.aventoura.de).
Aucayacu
Von Tingo Maria aus fuhren einige auch nach Aucayacu, wo viele früher als Entwicklungshelfer gearbeitet hatten. Für einige war es das erste Mal seit ca. 30 Jahren, dass sie wieder in dem Gebiet waren. Wir übergaben einige Mikroskope an Schulen, wo wir von den Schülern mit überwältigender Herzlichkeit empfangen wurden. Die Schüler zeigten uns auch voller Stolz ihren Schulgarten mit angegliederter Zucht von Süßwassermuscheln in einem Teich. In einer 2. Schule zeigten sie uns ihre Saftproduktion (Säfte aus Papaya, Mango, Sternfrucht, Cocona und anderen tropischen Früchten).
Sie baten uns um finanzielle Unterstützung zur Anschaffung von 2 Zusatzgeräten zur Presse, was wir im November taten. Wir überwiesen 80% der Kosten (1.600 €), die restlichen 20% bringt die Schule auf.
Wir waren auch eingeladen im Büro der Menschenrechtsorganisation. Die Mitarbeiter zeigten uns eindrucksvoll, wie sie sich beim Aufdecken von Massakern und anderen Menschenrechtsverletzungen aus der Zeit des Bürgerkriegs engagieren. Auch deren Bitte um Unterstützung konnten wir z.T. erfüllen.
Karla
In Lima hatten wir die 16-jährige, herzkranke Karla mit ihren Eltern getroffen. Einige von uns halfen spontan, um Medizin und dringend anstehende Untersuchungen zu bezahlen. Auch von Deutschland aus konnten wir durch einige größere gezielte Spenden weiter helfen und eine teure Biopsie bezahlen.
Waisenhaus Chinchavito
Unterhalb von Montevideo liegt das Dorf Chinchavito. Dort gibt es seit einiger Zeit ein kirchliches Waisenhaus. Nach Überprüfung dessen, was am Notwendigsten ist, durch Zulma Rivera unsere "Frau vor Ort", konnten gegen Jahresende mit unserer Hilfe Matratzen, Decken und sonstige wichtige Dinge angeschafft werden.
Bekämpfung der Leishmaniose (weiße Lepra)
Auch in diesem Jahr konnten wir durch Reisende über 5.000 Ampullen Glucantime im Wert von über.000 € nach Peru schicken. Fast alles ging an das Hospital Antonio Lorena in Cusco. Leider ist Maria Teresa Ruiz, die sich intensiv um die Leishmaniosekranken kümmerte, im Frühjahr ihrem Krebsleiden erlegen und hinterlässt eine große Lücke. Im Raum Tingo Maria gibt es auch immer wieder Fälle von Leishmaniose. So konnte dank des gelieferten Glucantime z.B. auch ein junger Mann aus Montevideo geheilt werden.
Aktivitäten in Deutschland
- Ein Höhepunkt des Jahres war mal wieder unser Perutreffen mit Mitgliederversammlung. Dieses Mal hatte uns Wolfgang Thomann wieder in seine alte Mühle in die Nähe von Würzburg eingeladen. Ca. 50 Teilnehmer waren von überall her gekommen, auch aus Hamburg und Berlin. Zum ersten Mal war auch eine fast 10-köpfige "Nachwuchstruppe" dabei: junge Leute (vor allem Frauen) die für ein paar Monate oder bis zu 1 Jahr in einem sozialen Projekt gearbeitet hatten. Wir wollen schauen, dass wir dieses "junge Element" bei unseren Treffen weiter stärken. Bei den Wahlen hatte der bisherige Kassier, Gerd Schuhmann, dem wir für 10-jährige gute Kassenführung dankten, nicht mehr kandidiert. Als neuer Kassier wurde Rüdeger Schupp aus Untergruppenbach gewählt, Eugen Bruder und Uli Friedrich wurden wiedergewählt. Am Samstagnachmittag wanderten wir ins nahe gelegene Münsterschwarzach, wo wir sachkundig durch die Kunstausstellung des Fair Handels Shops (mit viel Kunsthandwerk aus Peru) geführt wurden. Am Abend zeigten wir auf der Wiese hinter der Mühle mit Beamer und Leinwand die vielen interessanten Bilder von der Reise. Mit Tanz und Liedern am Lagerfeuer klang der Abend aus.
Erneut organisierten Birgit und Franz Wölfle bei der Burg Geroldseck im Schwarzwald eine Fiesta Latina und konnten den stolzen Betrag von 1.600,- € überweisen. Auf dem Amazonientag im Haus des Waldes in Stuttgart boten wir unter tatkräftiger Mithilfe von Zaida neben Infos auch ein peruanisches Gericht (Reis mit Bohnen und Fleisch/Chicharrones) und auch ein Getränk (Chicha morada) an und fanden guten Zuspruch.
Danke
Dank vieler regelmäßiger Spenden, darunter auch wieder einiger Großspenden, konnten wir auch dieses Jahr wieder einiges bewegen. Herzlichen Dank auch allen anderen Förderern und Spendern, ohne sie wäre dies Alles nicht möglich.