Jahresbericht 2004

 

Ökoanbau im Regenwald

Die Einführung des System der ökologischen Mischkulturen in dem vor 3 Jahren überschwemmten Dorf Huamancoto bei Tingo Maria ist gelungen. Neben Saatgut und Jungpflanzen hatten wir auch die Ersatzbeschaffung von Haustieren (Hühner, Meerschweinchen und Schweine) finanziert. Bei privaten Besuchen im Frühjahr dieses Jahres konnten Eugen Bruder und später auch Gottfried Prantl feststellen, dass das Projekt gelungen ist. Die Bauern arbeiten eng zusammen, besonders gut läuft der Bananenanbau und die Schweinezucht. Bei den Hühnern gab es eine Krankheit, aber die nicht betroffenen Bauern halfen den anderen mit Jungtieren. Wie stark der Begriff der Solidarität bei ihnen verankert ist zeigte sich in einer Solidaritätsaktion mit Bauern aus dem Raum Rio Azul, die kürzlich ebenfalls von einer Überschwemmung betroffen waren. Diesen half man indem man ihnen Jungschweine abgab. Die Bauern in Huamancoto haben sich inzwischen zusammengeschlossen, um ihre Produkte gemeinsam zu vermarkten. Um sich besser organisieren zu können, wurde inzwischen aus eigenen Mitteln ein Gemeinschaftshaus errichtet. Man denkt inzwischen auch an einen gemeinsame Verarbeitung von Früchten zu Marmelade und die Herstellung von Wurst.

Mit FUSEVI in Pucallpa sind wir weiter in Kontakt. Beim Projektbesuch im Februar gab es ein Treffen mit Jungbauern aus Antonio Raymondi und Nuevo Belen, bei dem die Jugendlichen ihre Vorstellungen von einer Zukunft auf dem Lande schildern konnten. Fast alle wollen in ihren Dörfern bleiben, viele suchen aber auch nach Möglichkeiten, sich fachlich weiterzubilden. Ein beantragtes Förderprojekt wurde zwar im letzten Jahr wegen der Vielzahl von Anträgen auf der einen Seite und knappen Mitteln der öffentlichen Hand andererseits abgelehnt, aber wir suchen weiter nach Möglichkeiten zur Finanzierung eines Projekts zur Schulung der Jungbauern. Bis dahin werden wir kleinere Schritte aus eigenen Mitteln und Spenden fördern, denn nichts wirkt nachhaltiger als eine an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der jungen Menschen orientierte Ausbildung.

Kaffeeverarbeitung in Felipe Pinglo

Dem Dorf Felipe Pinglo bei Tingo Maria, in dem vor allem Kaffee angebaut wird, galt dieses Jahr unsere Hauptaufmerksamkeit. Da die Preise für Rohkaffee seit Jahren "im Keller" sind, hatten die Bauern die Idee, einen Teil ihres Kaffees selbst zu rösten, abzupacken und lokal zu vermarkten. Aufgrund der eingegangenen Spenden konnten wir das neue Projekt mit 5.600 $ ohne öffentliche Unterstützung finanzieren. Damit konnte ein Gebäude für die gemeinschaftliche Kaffeeröstung erstellt und die Geräte zum Rösten + Abpacken beschafft werden. Während seines Besuchs konnte Eugen Bruder den Rohbau einweihen – inzwischen wird schon Kaffee geröstet und in Tingo Maria vermarktet.

Durch die eigene Verarbeitung und lokale Vermarktung wird der Kaffeeanbau wieder wirtschaftlicher, so dass die Produktion schon um 25% gesteigert werden konnte. Dadurch wurde der Bau von einfachen Kaffeetrocknungsanlagen (Rost mit durchsichtigem und Wärme isolierendem Regenschutz) nötig – wobei wir den Bauern auch hierbei finanziell unter die Arme greifen konnten.

Der Kaffee wird nicht als Monokultur angebaut: Die jungen Kaffeepflanzen stehen vermischt mit Bohnen, Paprika, Maniok und anderen Nahrungspflanzen, bei größeren Kaffeepflanzen sorgen Schattenbäume für das richtige Mikroklima. Der Kaffee wird ohne chemische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel angebaut und könnte bei uns als Biokaffee verkauft werden – in Peru gibt es dafür aber noch kaum einen Markt.

Käseherstellung in Montevideo bei Tingo Maria

Das von Gottfried Prantl geschickte Vakuumiergerät zur Käseverpackung und –Konservierung funktioniert, ebenso die mitgebrachte Solarlampe. Die Produktion läuft gut, im Oktober wurden wöchentlich 478 kg Käse, 120 l Joghurt und 25 kg Manjar blanca (ein Zwischending zwischen Sahne und Butter als Brotaufstrich) produziert. Der Käseabsatz in Tingo, Huanuco und Monzon läuft gut, Joghurt und Manjar werden komplett in Montevideo konsumiert.

Mit Mitteln aus den USA im Rahmen des Programms "Alternativen zu Koka" wurde ein neues Gebäude für die Käserei erstellt, das Heiner Stienhans mit Familie als erster "Gringo" besichtigen konnte.

Die vor einigen Jahren gemachten Pläne für eine Elektrifizierung der Produktionsanlagen und evtl. eines Versammlungsortes werden nun immer konkreter. Da sich in der Nähe der Käserei ein Kleinfluss mit entsprechendem Gefälle befindet soll dort Klein-Wasserkraftwerk aufgebaut werden. Mit örtlichen Fachleuten werden zur Zeit der genaue Ort für die Wasserfassung der Standort einer Turbine festgelegt. Auf diesen Daten wird dann ein genauer Kostenvoranschlag erstellt, so daß wir dann einen entsprechenden Antrag auf Förderung (mit entsprechender Eigenbeteiligung des Vereins) stellen können.

Bekämpfung der Leishmaniose (weiße Lepra)

Auch in diesem Jahr konnten wir durch Reisende fast 6.000 Ampullen Glucantime im Wert von etwa 5.000 € nach Peru schicken. Fast alles ging an das Hospital Antonio Lorena in Cusco. Leider ist Maria Teresa Ruiz, die sich intensiv um die Leishmaniosekranken kümmerte, erkrankt und muss sich in ihrer Heimat Spanien behandeln lassen. Bis März war Angela Bruder zu einem halbjährigen Praktikum an dem Krankenhaus in Cusco.

Aktivitäten in Deutschland

Ein Höhepunkt des Jahres war mal wieder unser Perutreffen mit Mitgliederversammlung. Dieses Mal hatte uns Pancho (Franz-Georg Holbe) in die Nähe von Wismar an der schönen Ostsee eingeladen. Aus Sicht eines Schwaben war es zwar eine weite, aber auch schöne Fahrt - vor allem durch die blühenden Kastanienalleen und Rapsfelder im Norden. Beeindruckend war die Besichtigung einer Milchviehanlage mit ca. 1.200 Kühen, die Pancho organisiert hatte. Wir konnten auch 2 Gäste aus Peru begrüßen. Zulma hatte ihre in Deutschland lebende Schwester betreuen müssen und Nila war gerade für eine 3 monatige Aus- und Weiterbildung in Rinderzucht und –Besamung in Deutschland angekommen.
Wir beteiligten uns am Stand des Eine Welt Ladens am Tag der offenen Tür bei Bosch/Abstatt – dankenswerterweise erhielten wir vom Überschuss aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf eine größere Summe.

Erneut organisierten Birgit und Franz Wölfle bei der Burg Geroldseck im Schwarzwald eine Fiesta Latina und konnten den stolzen Betrag von 1.500,- € überweisen. Franz Wölfle hat außerdem eine lobenswerte Aktion mit Schülern der 7., 8. und 9. Klasse seiner Schule in Zell a. Harmersbach initiiert. Nachdem sie bei einer Tombola vor Weihnachten einen Überschuß von 45,- € erwirtschaftet hatten, steigerten sich die Schüler bei der nächsten Aktion (Schuhputzen auf dem Markplatz in der Karwoche) auf 100,- €. Das Geld kam der Sonderschule in Tingo Maria zugute, die es für verschiedenes Material dringend brauchte (Lautsprecher, Bastelmaterial etc.). Als Dank bastelten die Schüler in Tingo Maria eine Ameise aus Holz und Samen.

Auf dem Straßenfest in Unterheinriet boten wir unter tatkräftiger Mithilfe von Zaida und Nila Rivera neben Infos peruanische Gerichte (papa a la huancaina und Chicharrones) und auch ein Getränk (Chicha morada) an und fanden guten Zuspruch. Zaida und Nila hatten das Essen nebst Material im Zug von Ulm hergeschleppt... Allen Helferinnen und Helfern, auch den "einheimischen" nochmal herzlichen Dank. Gemäß unserem Auftrag der Kulturvermittlung und Völkerverständigung hatten wir zum Straßenfest auch die peruanische Musik- und Tanzgruppe "Raymi Peru" eingeladen, die mit ca. 16 Leuten gekommen waren und uns mit ihren herrlichen Trachten und Tänzen und der typischen Musik in die Anden entführten.

Im Oktober hatte der Eine Welt Laden noch zu einer gemeinsamen Infoveranstaltung in das Rathaus Untergruppenbach eingeladen. Der Abend war gut besucht, es kamen sogar Leute von Ludwigsburg und wir gewannen dort auch 2 neue Mitglieder.

Danke

Dank vieler regelmäßiger Spenden, darunter auch wieder einiger Großspenden, konnten wir auch dieses Jahr wieder einiges bewegen. Herzlichen Dank auch allen anderen Förderern und Spendern (Geld und Speisen), ohne sie wäre dies Alles nicht möglich.