Freundeskreis Peru Amazonico e.V
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Jahresbericht 2003
Ökoanbau im Regenwald
Anfang des Jahres 2002 war das Dorf Huamancoto bei Tingo Maria vom Rio Tulumayo (einem Nebenfluss des Rio Huallaga) überschwemmt worden. Dabei waren Felder, Haustiere und zum Teil auch Häuser mitgerissen worden. Da das Land in Flussnähe sehr fruchtbar ist und eine solche große Überschwemmung nur alle 15 – 20 Jahre kommt, wollten die Bauern ihre Felder nicht verlassen. Mitte des letzten Jahres begann unsere Unterstützung, denn mit dem Neuanfang bot sich die Chance, in dieser Gegend das System der ökologischen Mischkulturen einzuführen. 55 Bauern beteiligten sich an dem Projekt, bei dem neben der Neubepflanzung nach nachhaltiger Wirtschaftsweise auch präventive Hochwasserschutzmaßnahmen (Schutzstreifen aus hochwasserresistenten Sträuchern und Bäumen etc.) integriert wurden. Die Felder (etwa 1 ha pro Bauer) wurden nach dem sogenannten Stockwerksanbau angelegt, also große Pflanzen (Edelhölzer, Fruchtbäume), dazwischen mittlere (Bananen, Papaya, Kakao und Zuckerrohr) und als kleine am Boden Mais, Reis und Bohnen und Ananas. Diese Kombination verschiedener Kulturen erhält die Bodenfruchtbarkeit und ermöglicht die nachhaltige Nutzung. Neben Saatgut und Jungpflanzen finanzierten wir auch die Ersatzbeschaffung von Haustieren (Hühner, Meerschweinchen und Schweine). Von Januar bis März war die Gärtnerin Sylvia Tyczka dort und pflanzte mit den Bauern Kohl, Tomaten und anderes Gemüse an.
Das Projekt wurde auch durch die Landesstiftung Baden Württemberg gefördert und konnte im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden. Die ersten Bananen wurden geerntet, die Ernte war gut. Da die Bauern das Saatgut und auch die Jungtiere in Form eines Naturalkredits zur Verfügung gestellt bekamen, geben sie es nach der Ernte bzw. wenn die Tiere Nachwuchs bekommen haben zurück, so dass auch nach und nach die anderen Bauern etwas bekommen. Aus dem Komitee, das ursprünglich das Projekt verwaltet hat, ist inzwischen eine bäuerliche Firma (Empresa de Producción Agropecuaria) geworden, an der 40 Bauern beteiligt sind und die sich auch zunehmend um die Vermarktung der Produkte kümmert. 2 Mitglieder haben inzwischen auch eine Fläche zur Verfügung gestellt, auf der aus eigenen Mitteln ein Gemeinschaftshaus errichtet wird.
Neben den existentiellen Fragestellungen stand auch eine Stärkung der Rolle der Frau im Gemeinwesen an. Erste Ergebnisse sind schon sichtbar. Die Frauen beteiligen sich jetzt aktiver, sie ersetzen z.T. die Männer bei Versammlungen und nehmen teil an den Entscheidungen. Kassier ist z.B. auch eine Frau.
Bei FUSEVI in Pucallpa, hielten wir uns dieses Jahr zurück. Derzeit erhält FUSEVI noch Förderung aus Holland, wir stehen aber in Kontakt, um bei Bedarf und sinnvollen Ansätzen wieder aktiv zu werden. Im Sommer war Rebekka Pohl, eine Agrarstudentin aus Hohenheim; 3 Monate als Praktikantin bei FUSEVI. Sie war viel in den Dörfern an der Straße und am Fluss unterwegs und hat gesehen, dass die im letzten Projekt geförderten Zuckerrohrquetschen funktionieren und die Kühe sich vermehrt haben. Sie hat auch Kontakt zu der örtlichen Jungbauernvereinigung geknüpft, mit denen möglicherweise nächstes Jahr ein neues Projekt geplant wird. Hier könnte es darum gehen, ihnen einen verbesserten Einstieg in eine selbständige Erwerbsarbeit auf dem Land zu ermöglichen, um somit einer Landflucht vorzubeugen. Nebenbei muß gesagt werden eröffnen sich durch diese Arbeit auch Möglichkeiten, die Zusammenarbeit und damit auch das friedliche Neben- und Miteinander der dort ansässigen unterschiedlichen ethnisch verschiedenen Völker zu verbessern.
Käseherstellung in Montevideo bei Tingo Maria
Auf Initiative von Gottfried Prantl, einem ehemaligen Entwicklungshelfer, wurde ein Vakuumiergerät (von einer Gruppe aus dem Allgäu finanziert) zur Käseverpackung und –Konservierung und ein Solar-Weidezaungerät nach Peru geschickt.
Kaffeeverarbeitung in Felipe Pinglo
In dem Nachbardorf Felipe Pinglo, in dem vor allem Kaffee angebaut wird, will man den Rohkaffee selbst rösten, abpacken und vermarkten. Dieser Schritt wird immer mehr nötig, da die Erlöse nur aus dem Kaffeeanbau auf Grund des Preisverfalls am Weltmarkt kaum noch zur Existenzsicherung ausreichen. Durch die erhöhte Wertschöpfung soll dieser Verlust aufgefangen werden. Das dies nicht gerade im Interesse der Kafferöster in den Industriestaaten ist, die ja von der Veredlung des billigst eingeführten Kaffees (sehr gut) leben dürfte auch klar sein.
Für das Projekt wurde ein Finanzierungsantrag in Höhe von 3.500,- $ an uns gestellt. Zur Zeit befindet sich das Projekt in der Evaluierungsphase. Da das Projekt etwas zeitsensitiver ist, können wir hier wohl keinen Antrag auf öffentliche Förderung stellen. Somit werden wir es komplett aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen finanzieren.
Bekämpfung der Leishmaniose (weiße Lepra)
Auch in diesem Jahr konnten wir durch Reisende fast 6.000 Ampullen Glucantime im Wert von etwa 5.000 € nach Peru schicken. Fast alles ging an das Hospital Antonio Lorena in Cusco, wo Schwester Maria Teresa Ruiz sich weiter um die Leishmaniosekranken kümmert. Bei ihrem Besuch im Sommer hat sie eindrucksvoll von ihrer Arbeit berichtet. Seit September ist Angela Bruder zu einem halbjährigen Praktikum an dem Krankenhaus in Cusco.
Neuerdings liefern wir auch wieder Glucantime an eine kirchliche Gesundheitsstation bei Huanuco, wo die Leishmaniose wieder auf dem Vormarsch ist. In ganz Peru ist Glucantime sehr knapp, teilweise müssen die Erkrankten monatelang auf das Medikament warten. Allen Reisenden, die kostenlos das Medikament mitgenommen auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön.
Erneut organisierten Birgit und Franz Wölfle bei der Burg Geroldseck im Schwarzwald eine Fiesta Latina und konnten den stolzen Betrag von 1.700,- € überweisen.
Reinhard Klingler und Ulrich Friedrich beteiligten sich an der Sommerakademie von Attac, die dieses Jahr in Münster stattfand. Eine wirklich empfehlenswerte Geschichte.
Auf dem Dorffest in Unterheinriet boten wir neben Infos Melonenscheiben ein – aufgrund des schönen Wetters kamen sie gut an.
Des weiteren hatten wir unter tatkräftiger Mithilfe von Zaida Rivera und Bruno Kählig einen Stand mit Essen/Trinken und aktuellem Videofilm auf der Fiesta de verano beim Café Nepomuk in Reutlingen.
Der Verein beteiligte sich gemäß seinem Bildungsauftrag am Basar Latino im November in Stuttgart. Zaida hatte wiederum Papas a la huancaina und Chicharrones vorbereitet, zum Schluss war alles weg, auch die Chicha morada.
Jutta Hedder aus Münster hatte anlässlich ihres runden Geburtstages um Spenden statt Geschenke gebeten – durch großzügiges "Aufrunden" kam ein Betrag zusammen, mit dem in etwa die Flugkosten der geplanten Reise der Tierzuchtdozentin Nila Rivera zur Weiterbildung in Deutschland finanziert werden können.
Dank vieler regelmäßiger Spenden, darunter auch wieder einiger Großspenden, konnten wir auch dieses Jahr wieder einiges bewegen. Herzlichen Dank auch allen anderen Förderern und Spendern (Geld und Speisen), ohne sie wäre dies Alles nicht möglich.