Freundeskreis Peru Amazonico e.V
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Jahresbericht 2002
Ökoanbau im Regenwald
Anfang des Jahres war das Dorf Huamancoto bei Tingo Maria vom Rio Tulumayo (einem Nebenfluss des Rio Huallaga) überschwemmt worden. Dabei waren Felder, Haustiere und zum Teil auch Häuser mitgerissen worden. Da das Land in Flussnähe sehr fruchtbar ist und eine solche große Überschwemmung nur alle 15 – 20 Jahre kommt wollten die Bauern ihre Felder nicht verlassen. Über unsere Kontaktperson Zulma Rivera erfuhren wir davon und dass die Bauern verzweifelt seien, weil vom peruanischen Staat keine Hilfe zu erwarten sei. Wir sagten unsere Unterstützung zu, denn mit dem Neuanfang bot sich die Chance, in dieser Gegend das System der ökologischen Mischkulturen einzuführen. Nachdem man damit in Pucallpa gute Erfahrungen gemacht hat wurde Raul Tello von FUSEVI aus Pucallpa zu Vorträgen nach Huamancoto eingeladen. 55 Bauern beteiligen sich an dem Projekt, bei dem neben der Neubepflanzung nach nachhaltiger Wirtschaftsweise auch präventive Hochwasserschutzmaßnahmen (Schutzstreifen aus hochwasserresistenten Sträuchern und Bäumen etc.) integriert wurden. Die Felder (etwa 1 ha pro Bauer) wurden nach dem sogenannten Stockwerksanbau angelegt, also große Pflanzen (Edelhölzer, Fruchtbäume), dazwischen mittlere (Bananen, Papaya, Kaffee und Kakao) und als kleine am Boden Mais, Reis und Bohnen. Diese Kombination verschiedener Kulturen erhält die Bodenfruchtbarkeit und ermöglicht die nachhaltige Nutzung.
Neben Saatgut und Jungpflanzen finanzierten wir auch die Ersatzbeschaffung von Haustieren (Hühner, Meerschwein-chen und Schweine). Zusammen mit der Förderung der Landesstiftung Baden Württemberg GmbH konnten wir knapp 20.000 € für das Projekt zur Verfügung stellen. Da die Bauern das Saatgut und auch die Jungtiere in Form eines Naturalkredits zur Verfügung gestellt bekamen, geben sie es nach der Ernte bzw. wenn die Tiere Nachwuchs bekommen haben zurück, sodass auch nach und nach die anderen Bauern etwas bekommen. Um das Ganze zu verwalten haben die beteiligten Bauern sich in einem Komitee organisiert in dem auch die Frauen mit einbezogen sind. Damit wurde erreicht, daß auch die Frauen mit ihren Erfahrungen und Bedürfnissen mit verankert sind, was sich auch bzgl. Nachhaltigkeit des Projektes positiv auswirken soll.
Da im Raum Tingo Maria die Bauern ihre Felder bisher hauptsächlich mit Monokulturen bebauen, bietet dieses Projekt die Chance, dass das neue System mit ökologischen Mischkulturen ausstrahlt auf weitere Dörfer im Huallagatal. Weiterhin haben wir hier die Chance zumindest einen sekundären Hochwasserschutz zu integrieren, was ja auch in anderen Flußtälern benötigt wird.
Bei FUSEVI in Pucallpa, wo letztes Jahr das Projekt PAVIS III (Promoción de la Agricultura Ecológica por
por la Vida de la Selva = Verbreitung der ökologischen Landwirtschaft für das Leben im Wald) erfolgreich zu Ende geführt worden war, hielten wir uns dieses Jahr etwas zurück. Derzeit erhält FUSEVI noch Förderung aus Holland, wir stehen aber in Kontakt, um bei Bedarf und sinnvollen Ansätzen wieder aktiv zu werden. Wichtig ist, dass die Bauern nach erfolgreichem Start nicht allein gelassen werden, falls Probleme auftauchen. Ein nachhaltiges System muss sich zwar mittel- und langfristig selber tragen, in der Anfangsphase, solange es noch nicht so stabil ist und Erfahrungen fehlen, muss es doch hin und wieder begleitet werden. Diese Beobachtung hat auch unser Mitglied Hellmar Hedder bei seinem privaten Besuch im Raum Pucallpa im September diesen Jahres gemacht.
Käseherstellung in Montevideo bei Tingo Maria
Ein weiteres Mitglied, Gottfried Prantl, war nach 27 Jahren zum ersten Mal wieder in Peru. Er ist Experte für Tierhaltung und konnte den Bauern in Montevideo wertvolle Tipps zur Milchviehhaltung, Käseherstellung und –Vermarktung geben. Nach Fertigstellung des Reifekellers wird nun dort der erste Tilsiter produziert. Montevideo ist somit ein gutes Beispiel für ein gelungenes und nachhaltig wirkendes Projekt. Es funktioniert jetzt ohne finanzielle Hilfe von außen, im Gegenteil: durch Rückzahlung eines Produktionsmittelkredits konnte in dem Dorf Inkari (nördlich von Tingo Maria) ebenfalls mit einer Käseproduktion begonnen werden.
Bekämpfung der Leishmaniose (weiße Lepra)
Auch in diesem Jahr konnten wir durch Reisende wieder über 5.000 Ampullen Glucantime im Wert von etwa 5.000 € schicken. Fast alles ging an das Hospital Antonio Lorena in Cusco, wo Schwester Maria Teresa Ruiz sich weiter um die Leishmaniosekranken kümmert.
Allen Reisenden, die kostenlos das Medikament mitgenommen oder auf ihrer privat finanzierten Reise die Projekte besucht und beraten haben und natürlich allen Spendern auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön und ein gutes, gesundes und friedliches 2003