Entwicklungshilfe versus Entwicklungszusammenarbeit
Gedanken zum Thema von Uli Friedrich
Früher redete man gerne
von Entwicklungshilfe. Hier die zivilisierte christliche Welt ausgezeichnet
durch wirtschaftliche, ethische und militärische Macht; dort die armen Menschen
denen man unsere hohen Güter in mildtätiger Weise erst einmal beibringen muß.
Nicht nur das dieser Ansatz in höchsten Maße arrogant ist, nein er ist auch
rassistisch.
Hier hat es aber in den
letzten Jahren einen Umdenkungsprozeß gegeben. Unterstützt wurde dieser Ansatz
wohl auch von der Einsicht, dass unsere ach so hoch entwickelte Kultur einen
großen Beitrag zu dem Elend beigetragen haben. Nicht nur dass wir mit schuldig
waren an der systematischen Ausrottung und Ermordung der dortigen geistigen
Leistungsträger sondern auch dass wir durch unseren stetigen Hunger nach
Bodenschätzen mit Schuld daran haben, dass die Lebensbedingungen sich für die
Menschen so negativ entwickelt haben. Diebstahl und Mord waren früher fast
ausschließlich unsere exportierten Kulturgüter. Ja, es gab auch Andere, die mit
der sogenannten „Tropfen auf den heißen Stein Lösungen“ einen ganz kleinen Teil
wieder gut machen wollten. Aber auch hier wurde oftmals auf Grund der
vorherrschenden oben-unten Ideologie viel Schaden angerichtet.
Im Prinzip hat sich an der
gesamten Situation nicht viel geändert. Ist man doch auch aktuell nicht gerade
zimperlich wenn es darum geht die Wirtschaftsbastionen zu verteidigen. Man
schließt sogar international verbindliche Verträge ab, die darauf zielen die für
uns wichtigen Naturschätze wie z.B. Öl und seltene Metalle auch mit militärischen
Mitteln gegen den Zugriff der örtlicher Autoritäten zu sichern.
Aber wir reden schon von
Entwicklungszusammenarbeit. Ideologisch gesehen hat man sich zumindest
theoretisch von den oben-unten Ansätzen verabschiedet. Man betrachtet sich als gleichberechtigte
Partner. Somit ist es auch möglich, dass wir von unseren Partnern lernen. Wie
unmöglich das im Moment im gesamtgesellschaftlichen Kontext noch ist, ist leicht
einzusehen.
Der Begriff der
Partnerschaft in unserem Kulturverständnis schließt aber auch eine gewisse
Aufgabenverteilung nicht aus. So sollen z.B. die auf unseren Regenwald
aufpassen, damit wir auch in Zukunft noch genügend Luft zum Atmen haben.
Wie man leicht sieht, wir
sind nach wie vor noch weit entfernt von einer Partnerschaft, die allen dient
und an der alle auch ein Interesse haben.
Schon Franz Kafka schrieb
dazu in seinen Aphorismen (1939):
Die Sorgen, mit deren
Last sich der Bevorzugte gegenüber dem Unterdrückten entschuldigt, sind eben
die Sorgen um Erhaltung der Bevorzugung.
Es ist der alte Scherz:
Wir halten die Welt und klagen, dass sie uns hält.