Jahresbericht 2007:
Im Raum Pucallpa wurde Mitte des Jahres das Projekt Jungbauernschule abgeschlossen. Ziel des Projektes war es Perspektiven für junge Leute auf dem Land aufzuzeigen, auch um die Landflucht und damit der potentiellen weiteren Verarmung entgegenzuwirken. Mit 30 jungen Leuten (weiblich und männlich) aus dem Dorf Antonio Raymondi, wo wir schon viele Jahre mit den Bauern zusammenarbeiten und 2 weiteren Dörfern nördlich von Pucallpa, und zwar in Panaillo und Zapotillo (beide am Rio Ucayali) wurde das Projekt realisiert. Indirekte Nutznießer sind aber sämtliche Bewohner dieser Dörfer, insgesamt 300 ländliche Familien. Die Finanzierung unseres Projektes erfolgte zu 75% aus Mitteln der Landesstiftung Baden-Württemberg.
Als Erstes wurden die jungen Leute in Milchviehhaltung geschult und erhielten dazu 10 junge Kühe (3, bzw. 4 je Dorf). Im Rahmen eines Rotativfonds werden diese nach und nach die Kälber an weitere junge Bauern weitergeben, was sich auch schon früher bewährt hat. In Antonio Raimondi, das durch schlechtere Böden benachteiligt ist, weil es nicht in der Nähe eines Flusses liegt, wurden 4,5 ha Sacha Inchi gepflanzt (eine lianenartige Pflanze mit wertvollem Omega3-Öl).
In den anderen beiden Dörfern am Fluss wurden jeweils ca. 7 ha Camu Camu angepflanzt. Es ist ein Strauch mit stark Vitamin-C-haltiger Frucht und guten Absatzchancen, der auch Überschwemmungen übersteht. Bei meinem Besuch im April konnte ich mir ein Bild davon machen, wie begeistert die jungen Leute sich engagierten.
Fußballturniere, kulturelle Wettbewerbe sowie die Erörterung von Themen wie Familienplanung rundeten das Projekt ab und sorgten für ein Gemeinschaftsgefühl.
Erneuerung eines Betriebsmittelgebäudes
In Sta. Elvita konnte mit unserer Hilfe ein neues Gebäude der Empresa comunal (eine Art Genossenschaft) erstellt werden. Dort funktioniert eine dörfliche Zuckerrohr- und eine Reismühle, die auch bereits von umliegenden Bauern gerne in Anspruch genommen wird.
Die Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung (40 KW) war im Herbst 2006 vom BMZ bewilligt worden. Mit sehr viel Eigenleistung beim Materialtransport zeigten die Bauern von Montevideo wie der Bau dieser Anlage ihnen am Herzen liegt. Jeder Sack Zement, jedes Eisenteil, aber auch die Rohre, die Turbine und der Generator, alles musste kilometerweit einschließlich über eine Höhendifferenz von 900 m getragen werden. Am Jahresende waren die Fassungen sowie die Wasserzuleitungen fertig und man war dabei, den Generator zu installieren. Technische Beratung unsererseits kam von Anton Nielsen und Peter Wicke. Peter war an Ostern (zusammen mit mir) und Weihnachten jeweils vor Ort und konnte auch praktische Ratschläge geben – er hat jahrzehntelange Erfahrung im Bau kleinerer Wasserkraftanlagen.
Hauptnutzer wird zuerst einmal die Dorfkäserei sowie eine Schreinerei sein Die gemeinschaftliche Käseproduktion ist weiter auf 1000 kg wöchentlich gestiegen und wird bereits zu 50% in Huanuco verkauft.
Hilfe für Zulma Da unser langjährige "Frau vor Ort" an einer schweren Lebererkrankung leidet, muss sie immer mal wieder nach Lima zu teuren Untersuchungen und Behandlungen, daneben muss sie ständig Medikamente nehmen. Sie hat wie die meisten Peruaner natürlich keine Krankenversicherung, die diese Kosten abdeckt. Deshalb machten wir einen Aufruf und konnten ihr dank zahlreicher Spenden einen Betrag von 2.950,- € überweisen. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut, wobei sie als optimistischer Mensch nicht über ihre Krankheit reden möchte. Da sie die Arbeit vor Ort ehrenamtlich macht und bisher ausgezeichnet auch für den Verein gearbeitet hat möchten wir ihr auch als Dankeschön unsererseits weiter unterstützen und sind daher dankbar für weitere zweckgerichtete Spenden "für Zulma".
Auch dieses Jahr konnten wir über 2.000 Ampullen Glucantime im Wert von rund 1.900,- € nach Peru schicken. Der Großteil davon konnte bei einer Medikamentensendung des DIFÄM/Tübingen an das Kinderhilfswerk Lima dazugepackt werden, der Rest mit Hilfe von Peru-Reisenden. Das Meiste ging nach Tingo Maria, wo es auch immer mehr Fälle von Leishmaniose gibt. Am Jahresende erhielten wir vom Krankenhaus A. Lorena in Cusco eine dringende Bitte nach Glucantime zur Behandlung von Kindern. Zum Glück flogen gerade 2 Freunde nach Peru, die dann 350 Ampullen mitnehmen konnten.
Bei meinem Besuch an Ostern in der Sekundarschule "Aucayacu" zusammen mit Reinhard Klingler zeigten uns die beteiligten Lehrer den Raum, in dem der Saft produziert wird (Säfte aus Papaya, Mango, Sternfrucht, Cocona und anderen tropischen Früchten). Boden und Wände entsprachen allerdings noch nicht Anforderungen die eine Lebensmittelproduktion erfordert. Mit unserer Unterstützung und erheblicher Eigenleistung konnten die Räume bis zum Jahresende gefliest werden.
Durch zweckbestimmte Spenden konnte den Hochwasseropfern vom Volk der Shipibos, deren Siedlung in Tingo Maria von der Überschwemmung Ende 2006 weggerissen worden war, mit Lebensmitteln usw. geholfen werden. Auch hier hat sich Zulma und ihre Familie tatkräftig eingesetzt.
Von den Peru-Projekttagen der Grundschule Unterheinriet im Mai erhielten wir eine grosszügige Spende von 400 €. Herzlichen Dank den Kindern, Eltern und Lehrern, die dies durch ihr Engagement ermöglicht haben. Das Perutreffen mit Mitgliederversammlung war dieses Mal auf Burg Wilenstein in der Nähe von Kaiserslautern. Unsere Mitglieder Carlos Krause hatte mit seiner Brigitte sowie Helmut Reinecke alles gut vorbereitet und versorgte uns bestens. Über 40 Teilnehmer waren von überall her gekommen. Im November hatten wir wiederum einen Infostand beim Haus des Waldes in Stuttgart. Zaida hatte wieder ihre leckeren Bohnen mit Reis gekocht, Bruno sorgte für die Logistik, Musik und Getränke. Wir wurden gleich wieder für den nächsten Amazoniensonntag am 2. Nov. 2008 verpflichtet.
Allen Spendern ein herzliches Dankeschön. Ohne diese wertvolle Hilfe wären die Aktivitäten in Peru nicht möglich. Wir können garantieren, dass jede Spende zu 100% in Peru ankommt – unsere Verwaltungskosten sind durch die Mitgliedsbeiträge abgedeckt. Wer unsere Arbeit weiter unterstützen möchte: Spendenkonto: Nr. 20 763 000 bei der Volksbank Beilstein, BLZ 620 622 15
Muchos saludos: Eugen Bruder