Malerei

Peruanische Wirklichkeit

in Tradition und Gegenwart

SELBSTZEUGNISSE INDIANISCHER MALEREI IM SPIEGEL VON 500 JAHREN

Dörfliche Lebenssituation im zentralen Hochland: Kulturelle Traditionen, Feste, Handel

Zur Entstehung der Ausstellung

Für die Besucher der Zentralen Reservebank in Lima war es höchst ungewöhnlich, in den Räumen dieser Institution Bilder ausgestellt zu sehen, die von peruanischen Bauern aus verschiedenen Landesteilen gemalt und gezeichnet worden waren. Das war 1987,  die Bilder stammten aus dem 5. Nationalen Wettbewerb “Dibujos Campesinos” (Bauernmalerei). Dieser Wettbewerb findet seit 1984 alljährlich statt. Organisiert wird er von Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich der Bildungsarbeit Initiativen der Landbevölkerung unterstützen, und Teilen der Kirchen. Die geschieht in enger Zusammenarbeit mit Basisorganisationen und Gewerkschaftsgruppen der Kleinbauern und Landarbeiter. Bedurfte es anfangs noch der Motivierung von außen, damit die Menschen die Möglichkeit wahrnahmen, sich mit bildnerischen Mitteln auszudrücken, so sind mittlerweile die Aktionen rund um den Wettbewerb zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Die Beteiligung an den Wettbewerben nimmt von Jahr zu Jahr zu, 1990 wurden bereits 1300 Bilder eingereicht. Prämierte Bilder werden als Poster verbreitet und in einem Kalender veröffentlicht, der in hoher Auflage vertrieben wird. Darüber hinaus werden Wanderausstellungen zusammengestellt, die von vielen Organisationen in ganz Perú in der Bildungsarbeit eingesetzt werden.

Zur Zielsetzung der Ausstellung

Perú ist nun schon seit Jahren gezeichnet von einer schweren Krise, die alle Bereiche umfaßt: Wirtschaft, Politik, Sozialstruktur. Das Leben aller Peruaner wird davon berührt, doch am stärksten betroffen ist die große Mehrheit der armen städtischen Bevölkerung und der Bauern. Die ländliche Bevölkerung, die Tag für Tag den harten Kampf um ihre Existenzgrundlagen führen muß, erleidet zusätzlich die soziale Benachteiligung, die mit der Verachtung und Ignoranz ihrer kulturellen Eigenständigkeit einhergeht – die interne Fortsetzung der Kolonialzeit. Um dieser Bevölkerungsgruppe, der die Beteiligung an der Gestaltung des Landes und ihrer eigenen Zukunft fast gänzlich verwehrt wird eine Stimme zu geben, eine Möglichkeit, ihre Situation darzustellen, ihre Wünsche und Forderungen auszudrücken, wurde der Wettbewerb ,, Dibujos Campesinos” ins Leben gerufen. Durch ihre Bilder gewähren die Bauern und Bäuerinnen einen Einblick in ihren Alltag, vermitteln ihre Freuden und Probleme, ihre Kämpfe und Hoffnungen, dargestellt aus ihrer eigenen Sicht. Sie tragen dazu bei, die reiche kulturelle Tradition der verschiedenen Regionen Perus lebendig zu halten und ihren eigenständigen Wert wiederzuerlangen. Dies ist eine der Voraussetzungen für die Stärkung der Regionen gegenüber der zentralistischen Politik des Staates. Hier in Deutschland sollte die Ausstellung dazu beitragen, das von Elend, Terror und Apathie bestimmte Bild von Perú zu korrigieren: die betroffenen Menschen geben ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht auf, sie setzen alle Kraft und Kreativität dafür ein, diese Zukunft selbst zu gestalten und Perú damit auch endlich zu ihrem eigenen Land zu machen.

Die Bräuche in meinem Dorf: Heilkundige bringen dem Berggott

Die beiden Bilder stammen aus der Ausstellung Bauernmalerei

© ILLA – tdh – Infostelle Peru e.V.