Zahl des Monats 1$
In einem Wirtschaftsmagazin für junge aufstrebende Menschen (die die mit wenig Arbeit viel Geld verdienen sollen um dann voll und ganz dem Überfluß frönen zu können) fand ich einen Artikel mit dieser Überschrift.
Im "Bizz"-Heft vom August 2000 fand sich also wirklich ein Artikel zu "1$ am Tag - davon müssen 1,2 Milliarden Menschen leben. Trotz Globalisierung nimmt die Armut zu."
Eiderdaus, was man sonst eigentlich nur in linkesten Zeitungen zu lesen bekommt, soll also hier auch zu finden sein. Da sage doch noch einer man kann sich nicht "richtig" informieren.
Ausgangslage: Auf dem UNO Sozialgipfel 1995 hatte man beschlossen bis 2015 die Zahl der Armen zu halbieren. Man war damals der Meinung, daß dies am besten mit den Segnungen des globalen Kapitalismus zu machen ist, also freier Kapitalfluß, Globalisierung der Wirtschaft, freie Marktwirtschaft, Freihandel, usw. Und neuerdings kommt auch das Internet dazu. (Im Prinzip kennt man diese Worte ja nicht nur in Bezug auf die Armen in den Entwicklungsländern sondern auch hier vor Ort wenn es um die Bekämpfung der Armut geht)
Ja, in diesem Wirtschaftsmagazin fand sich eine Abrechnung mit diesem System, denn diese Methodik sei falsch. Allerdings finden sich noch keine anderen Arzneien im Kampf gegen die Armut.
Freier Kapitalfluß: Kapital floß in die armen Länder nicht zur Schaffung von Arbeitsplätzen oder zur Verbesserung der Infrastruktur, sondern in reine Finanzbeteiligungen. Sobald die Rendite nicht stimmt, wird das Geld abgezogen. Seit 1973 hat sich der Kapitalfluß von 15 Milliarden Dollar auf 1500 Milliarden Dollar verhundertfacht, die Exporte von Gütern und Dienstleistungen aber nur verdreifacht.
Exportorientierung: Indem die Industriestaaten ihre Produkte subventionieren haben die Entwicklungsländer keine Chance mit ihren Produkten. Dazu kommt, daß man dort dann Dinge macht, die langfristig total kontraproduktiv sind. Ich denke da an Versalzung von Boden, Überfischung,....
Freihandel: Dadurch daß etwa ein Drittel aller Produkte und Dienstleistungen innerhalb von Konzernen gehandelt werden, sind sie also nicht am freien Markt zu erwerben. Dazu kommt, daß mehr als 60% aller Produkte in der Hand von multinationalen Konzernen sind. Diese Konzerne bestimmen was darüber hinaus aus den Entwicklungsländern zu kommen hat, und folglich auch die Bedingungen. Kein Wunder, daß da nicht mehr auf Umweltverträglichkeit oder gar darauf geachtet wird, ob es den Menschen dort überhaupt gut tut.
Marktwirtschaft: Die Chancen des Marktes können nur diejenigen nutzen, die auch die Voraussetzungen haben wird da gesagt - nämlich Bildung. Tja, obwohl es Mangelware ist, findet sich einfach kein Anbieter. Ist wohl nicht wirtschaftlich, denn wo Bildung sich breitmacht gibt, es auch Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung.
Tja und zu guter letzt sollte das Internet es schaffen. Leider findet diese Medium nur in den Industrieländern Verbreitung. Ganz abgesehen davon, daß es auch da nur selten für produktive Bildung eingesetzt wird (es gibt Statistiken von den Suchmaschinen, die Auskunft darüber gibt nach welchen Begriffe gesucht wird - meistens hat es was mit Sex und Erniedrigung zu tun), fehlen auch hier viele grundlegende Dinge, die die Nutzung erst einmal ermöglichen. Beispiel: Die Menschen sollten lesen und schreiben und vor allen Dingen Fremdsprachen können.
Es macht Spaß in Wirtschaftsmagazinen zu schmökern, geben sie doch manchmal die ungeschminkte Wahrheit wieder.
Uli Friedrich