Globalisierung und seine
Auswirkungen auf unser Wertesystem
von Uli
Man hat eine Frage zu
einem Problem und bekommt zur Antwort, dass man es doch mal global sehen soll oder
in der Steigerungsform intergalaktisch. Was aber bedeutet dies? Global sehen
heißt, sich der Grenzen zu befreien die man im jetzigen Moment noch glaubt
einhalten zu müssen. Global sehen heißt Grenzen verwischen und eine gewisse
Unschärfe zulassen. Ein Widerspruch?
Wie heißt es immer
wieder, wenn bei uns etwas Unfassbares passiert, das durch Menschenhand
ausgeführt wurde? Parteien, Verbände und religiöse Vereinigungen rufen dazu auf,
Wertmaßstäbe zu definieren und drängen auf ihre Einhaltung. Werte, die sich aus
dem Humanismus oder sonst etwas ergeben. Dreht man sich um, so fordern genau
diese wiederum, dass man genau diese Werte nicht zu eng sehen darf, global
eben.
Wir wollen leben und zwar
gut. Dafür nimmt man so manches in Kauf, ja sogar den organisierten Verstoß
gegen elementare Menscherechte bis hin zum Wahnsinn des Massenmordes. Global
gesehen ist das ja nicht weiter schlimm, denn es fällt gar nicht auf wenn man
mal eine gewisse Unschärfe zugelassen hat. Korruption nennt man so etwas. Aber
global gesehen ist auch das schon ein Kavaliersdelikt.
Wie war das noch mit dem
Terror und dem 11. September? Beim 11. September denken wir an den Terror
fanatischer Menschen, die keine andere Möglichkeit mehr sahen und die Symbole
der westlichen Arroganz und Globalisierung angriffen. Dabei nahmen sie den Tod
tausender von Menschen in Kauf. Ich stelle bewusst nicht die Frage nach
offensichtlicher oder verdeckter Schuld oder Unschuld dieser Menschen. Wenn ich
an den 11. September denke, denke ich aber auch an einen anderen 11. September.
Den 11. September in Chile, als das westliche Wertesystem (oder was man dafür
hält) geprägt von Humanismus und Demokratie aber auch von schier unendlich
großer Raffgier ein demokratisch legitimiertes System in Schutt und Asche
legte, weil es dieses Spiel der globalen Ausbeutung nicht mehr so mitspielen
wollte. Dabei nahm man zehn Tausende von Toten und Vermissten und unendlich
viel Leid in Kauf. Ja, das war früher so - wie Vietnam (sehen Sie noch die Bilder
brennender Kinder?) usw. auch früher war.
Heute aber beschließen
wir über Kriege gegen den Terror oder gegen die Schurken dieser Welt (wer ist denn
wir? Oder sind es ein paar Wenige, die uns über die Macht der Massenmedien das
einreden? Aber wir haben ja gelernt damit umzugehen). Und wir beschließen wer
was und unter welchen Bedingungen von uns bekommt (IWF, WTO, usw.). Ja wir
entscheiden sogar darüber, wer leben darf und wer nicht, indem wir ihm
medizinische Hilfe bieten oder auch nicht. Wir lassen es auch zu, dass es
Menschen geben darf, die unterhalb der Sozialhilfe zu leben haben. Man schaue
einmal nach, was Sozialhilfe heißt: Minimum der zum menschenwürdigen Leben
notwendigen Mittel.
Im Falle unserer Kriege
nehmen wir auch sogenannte Kollateralschäden billigend in Kauf, geht es doch um
unsere höheren Werte, die es durchzusetzen gilt. Na ja, global gesehen kommt es
ja auf die paar Menschen auch nicht mehr an. Es sterben ja sowieso eine große
Masse an Menschen an den Folgen unserer Werte, auf den Müllhalden der Welt, an
den Vergiftungen unserer Firmen, die wir wegen der strengen Umweltauflagen
hierzulande aus unserem Umfeld vertrieben haben. Ja, uns geht es gut. Wir haben
den Dreck los und verdienen jetzt als Aktionäre, und da haben wir ein hohes
Interesse an den Dingen wie sie nun mal sind. Außerdem können wir so ganz
nebenbei auch noch ein paar Waffen an unsere Helfershelfer und Todesschwadronen
verkaufen. So geht es diesen armen Menschen durch unsere Hilfe besser und wir
wissen, dass jemand unseren Profit gegen die Schurken und Terroristen
absichert. Terrorist ist nämlich der, der nicht mehr so funktioniert wie wir
ihn programmiert haben (Afghanistan und Irak sind hier gute Beispiele).
Ja es ist der
schleichende Völkermord, der einhergeht mit unserem Verständnis von
Globalisierung. Globalisierung hat nämlich nichts zu tun mit globaler
Verantwortung oder gar mit Menschenrechten. Globalisierung steht für
Profitmaximierung in möglichst weiten Grenzen. Das sind die Werte der
Globalisierung die auch die unseren werden sollten und die es deshalb hoch zu
halten gilt: Raubrittertum, Raffgier, Schlächtertum, Blindheit gegenüber
anderen Menschen und Ausbeutung. Kapitalismus auch außerhalb der
Nationalstaaten eben, denn Kapitalismus und fast grenzenloser Wettbewerb sind
die Kräfte des Fortschritts und sichern die Überlegenheit des Systems.
Wie es weiter gehen kann?
Intergalaktisch ist das nächste Schlagwort, denn da haben wir den vollen
vierdimensionalen Raum und dann erobern wir die fünfte Dimension, denn der
Fortschritt ist unser.